"Leben ist Bewegung, und ohne Bewegung findet Leben nicht statt." (Moshe Feldenkrais)

Über mehrere Millionen Jahre hindurch gab es im Alltagsleben des Menschen nur wenig Veränderung. So war er zum Beispiel fast ständig unterwegs, hauptsächlich auf der Suche nach etwas Essbarem. Laut Dr. Freerk T. Baumann von der Deutschen Sporthochschule Köln konnte der frühe Mensch "am Tag ohne Weiteres 20 bis 30 Kilometer zurücklegen", wogegen wir uns heute "ohne motorisierte Hilfsmittel durchschnittlich gerade mal zwei bis drei Kilometer am Tag [bewegen] - wenn es hoch kommt"(1).

 

Unser genetisches Programm ist allerdings immer noch auf die früheren Lebensumstände ausgerichtet, denn unser Wandel hin zum "modernen" Menschen vollzog sich entwicklungsgeschichtlich sehr schnell und ohne die Möglichkeit einer parallel verlaufenden genetischen Anpassung.

Wenn wir es schaffen, unserem genetischen Programm und damit unserer wahren Natur wieder mehr zu entsprechen - und dafür müssen wir gar nicht mal jeden Tag 20 bis 30 Kilometer zurücklegen -, tun wir einen großen Schritt in Richtung Gesunderhaltung oder Wiedergenesung. 

 

Um bis zu 70% geringere Krebssterblichkeit bei regelmäßiger Bewegung

 

Die Studienlage ist eindeutig und verkündet eine frohe Botschaft: Ein Mensch mit der Diagnose Krebs (aber natürlich auch ohne) hat eine weitaus bessere Prognose, wenn er sich regelmäßig bewegt. Dafür sind keine sportlichen Höchstleistungen erforderlich, sondern stete, aber maßvolle körperliche Betätigungen.

Auch dieser naheliegende Zusammenhang ist für einen ganzheitlich orientierten Menschen nicht unbedingt einer, der erst von der Wissenschaft aus unsichtbaren Tiefen emporgehoben werden musste, um ihn zu erfassen. Aber immerhin ist er nun sogar auch in konkreten Zahlen messbar geworden.

Es wurde mit dem "Metabolischen Äquivalent" (MET) eine Maßeinheit gewählt, es wurden die verschiedensten Tätigkeiten zum Energieverbrauch - gemessen in MET - in Beziehung gesetzt, und es wurde sogar ermittelt, wieviele MET pro Woche bei den unterschiedlichen Tumorarten den höchsten gesundheitlichen Nutzen versprechen.

 

Hier zunächst eine Übersicht über Alltags- und Sportaktivitäten und den damit einhergehenden Energieverbrauch (1), in MET:

 

Tätigkeiten des täglichen Lebens MET je Stunde
Zur Bushaltestelle gehen 2,5
Auto einladen/ausladen 3,0
Den Müll herausbringen 3,0
Mit dem Hund spazieren gehen 3,0
Hausarbeit, mittlere Anstrengung 3,5
Staubsaugen 3,5
Laub vom Rasen rechen 4,0
Gartenarbeit (ohne Hochheben) 4,4
Rasen mähen (elektrischer Mäher) 4,5
   
Sanft (weniger als 3 MET je Stunde) MET je Stunde
Klavier spielen 2,3
Kanu fahren (als Freizeitsport) 2,5
Golf (mit Wagen) 2,5
Gehen (langsam, 3 km je Stunde) 2,5
Tanzen (langsam) 2,9
   
Mäßig (3 bis 5 MET je Stunde) MET je Stunde
Gehen (zügig, 5 km je Stunde) 3,3
Fahrrad fahren (langsam) 3,5
Gymnastik (ohne Gewichte) 4,0
Golf (ohne Wagen) 4,4
Schwimmen (langsam) 4,5
Walken (6,5 km je Stunde) 4,5
Holz hacken 4,9
   
Anstrengend (5 bis 12 MET je Stunde) MET je Stunde
Tennis (als Doppel) 5,0
Tanzen (schnell, Walzer, Salsa etc.) 5,5
Fahrrad fahren (mäßig schnell) 5,7
Aerobic 6,0
Inlineskating 6,5
Ski fahren (Abfahrt oder Langlauf) 6,8
Bergsteigen (ohne schwere Lasten) 6,9
Schwimmen (schnell) 7,0
Power Walken (8 km je Stunde) 8,0
Karate für Krebspatienten 8,0
Joggen (10 km je Stunde) 10,2
Seilspringen 12,0
Intensives Kampfsporttraining 12,0
Squash 12,1
   
   

 

 

Und hier nun einige beispielhafte Studienergebnisse, welche die immense Heilkraft regelmäßiger Bewegung, bezogen auf Tumorerkrankungen, belegen:

 

  • Bei Frauen mit Brustkrebs, die pro Woche etwa 3-5 Stunden spazierengehen (normales Tempo; entspricht 9-15 MET), ergab sich ein um etwa 50% reduziertes Sterblichkeitsrisiko gegenüber Frauen mit weniger als 1 Stunde Gehen (3 MET) pro Woche (2).
  • Prostatakrebs: Bei mindestens 65jährigen Studienteilnehmern mit intensiver körperlicher Aktivität (30 MET pro Woche) ergab sich gegenüber untätigen Probanden eine um über 70% reduzierte Sterblichkeit(3).
  • Dickdarmkrebs: Studienteilnehmer mit einer wöchentlichen körperlichen Aktivität, die 18-27 MET entspricht, hatten ein um nahezu 50% reduziertes Sterblichkeitsrisiko gegenüber Patienten mit einem MET von höchstens 3 pro Woche (4).

 

 

 

 

 

Quellen:

 

(1) Fletcher G. F., Balady G. J., Amsterdam E. A. et al. (2001), "Exercise standards for testing and training: a statement for healthcare professionals from the American Heart Association". Circulation 104 (14): 1694-1740.

(2) http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=200955

(3) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15883238

(4) http://jco.ascopubs.org/content/24/22/3535.long