Dass Licht einen enormen (schützenden) Einfluss auf die Entwicklung von Krebs hat, wurde bereits in vielen Studien eindrucksvoll dargelegt.

 

Eine 2009 im Journal of Clinical Oncology veröffentlichte Studie(1), die Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium (Diagnose zwischen 1986 und 1996) und deren Vitamin D-Blutwerte untersuchte (mittlere Beobachtungszeit: 11,6 Jahre), belegte nun auch die Wirkung bei bereits bestehendem Krebs. Sie befand, dass die Frauen mit ungenügendem Vitamin D-Level ein um 71-94% höheres Metastasierungsrisiko und ein um 60-71% höheres Sterberisiko hatten.

 

Studien-Autorin Pamela Goodwin vom Mount Sinai Hospital in Toronto: "Dies ist das erste Mal, dass der Einfluss von Vitamin D auf den Verlauf von bereits ausgebrochenem Brustkrebs belegt werden konnte".

 

Wenn wir uns sogar lediglich an den unteren Werten (71% beim Metastasierungsrisiko bzw. 60% beim Sterberisiko) orientieren, lassen sich aus umgekehrter Sicht die Risiken um etwa 42% (Metastasen) bzw. 38% (Tod) senken.

 

Dies sind Zahlen, von denen jedes Pharmaunternehmen sicherlich träumen dürfte. Prof. Dr. med. Jörg Spitz, Präventionsmediziner und Vitamin D-Spezialist, bemerkt in seinem Buch "Krebszellen mögen keine Sonne": "In allen Versuchslaboren der großen Pharmafirmen dieser Welt wird sich wohl auch zukünftig kaum ein Päparat finden, das auch nur annähernd die positiven Eigenschaften von Vitamin D in Bezug auf die Tumor-Entstehung und -Ausbreitung aufweist. Noch dazu nebenwirkungsfrei und praktisch kostenlos verfügbar! Von den übrigen positiven Eigenschaften ... für unseren Körper ... ganz zu schweigen!"(2)

 

 

Interview mit Prof. Dr. Jörg Spitz zum Thema "Sonnenlicht und Vitamin D":

 

 

Hat man Ihnen eigentlich - bei der Vielzahl an Diagnose- und Therapiemaßnahmen, die nach einem Krebsbefund üblicherweise angeraten werden - schon einen Bluttest bezüglich Ihres Vitamin D -Status empfohlen? Hat man Ihnen bei einem niedrigen Wert (der in unseren Breitengraden und unserem Indoor-Lebensstil eher die Regel als die Ausnahme ist) den vermehrten Konsum von Sonnenlicht nahegelegt? Die obigen Zahlen vergegenwärtigend, liegt hier eine große Chance!

 

Leider vergehen jedoch oft viele wertvolle Jahre, bis neue Erkenntnisse aus der - vor allem unabhängigen - medizinischen Forschung ihren Weg in die Lehre (Universitäten) und die tägliche Anwendung (Praxen und Kliniken) gefunden haben.

Nuklearmediziner Prof. Dr. Jörg Mahlstedt untersuchte(3) in seiner Praxis im Ruhrgebiet 2.500 Patienten auf ihren Vitamin D-Spiegel und fand bei 90% bzw. 95% (er unterschied zwischen den hellhäutigeren "Residenten" und den tendenziell dunkelhäutigeren "Immigranten", wo neben der verminderten UVB-Aufnahme in der Haut auch die Verschleierung unter Frauen ein großes Problem in dieser Hinsicht darstellt) eine Unterversorgung (<30 ng/ml) oder einen Mangel (<10 ng/ml). Er bedauert: "Kenntnisse zur Bedeutung des Vitamin D beschränken sich bei der durchschnittlichen universitären Ausbildung und ärztlichen Weiterbildung auf die der endokrinen Funktion [bezüglich Kalzium-Stoffwechsel und Knochengesundheit; eigene Anmerkung] und die Notwendigkeit der Substitution im Kleinkindalter [Rachitits-Vorbeugung; eigene Anmerkung]."

Eine 2011 im Journal of Clinical Oncology veröffentlichte Meta-Analyse(4) - einer Gesamtauswertung mehrerer Studien - kam in Bezug auf Darmkrebs zu ähnlichen Ergebnissen wie die angeführte Brustkrebs-Studie aus dem Jahr 2009.

 

In Anbetracht solch beeindruckender Studienergebnisse ist es kaum nachvollziehbar, dass der Krebsinformationsdienst, KID (eine Einrichtung des renommierten Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg), am 10.02.2011 auf seiner Internetseite(5) eine Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie(6), DGE, in unkritischer Weise wiedergibt, in welcher der Mediensprecher der DGE, Professor Helmut Schatz, u. a. äußert, es wäre "... bislang noch nicht erwiesen", "dass ein Vitamin D-Mangel auch ... Krebs begünstigt". Der KID fügt noch hinzu: "Ein Vitamin D-Mangel ist in Deutschland ... heute sehr selten." (Zur Bedeutung der letzten Aussage lesen Sie Näheres bitte weiter unten.)

 

Übrigens versteht sich der KID als ein "Nationales Referenzzentrum für Krebsinformation" und möchte "aktuelles, qualitätsgeprüftes Wissen über Tumorerkrankungen öffentlich zugänglich machen." Dessen Umgang mit der Vitamin D-Thematik scheint, gemessen an diesem eigenen Anspruch, recht verwunderlich.

 

 

 

Die Messung und Bewertung von Vitamin D in unserem Blut


Das für uns so wichtige Vitamin D (das inzwischen eher den Hormonen zugerechnet wird) gewinnen wir über die Sonneneinwirkung auf unsere Haut. Es gibt zwar auch Nahrungsmittel mit einem gewissen Vitamin D - Gehalt (vor allem Fisch), doch spielen jene in diesem Zusammenhang - besonders im Vergleich zur Bedeutung des Sonnenlichts - eine recht unerhebliche Rolle.

 

Der Stoffwechselweg, der am Ende zur Bildung der aktiven Form des Vitamin D, nämlich Calcitriol, führt, ist recht komplex. Er beginnt damit, dass die Leber aus der im Blut vorhandenen fettähnlichen Subs

tanz Cholesterin das Provitamin D herstellt.

 

Dieses gelangt anschließend über den Blutweg in die Haut, wo es unter der Einwirkung von UV-B-Strahlen (einem "ultravioletten" Anteil aus dem Strahlenspektrum der Sonne) in Cholecalciferol gewandelt wird. Über weitere Zwischenschritte innerhalb unserer Organe entsteht das erwähnte Calcitriol.

 

Vitamin D hat eine Vielzahl von Wirkungen auf den Organismus, praktisch alle Körperzellen besitzen entsprechende Rezeptoren. Natürlich besteht somit nicht nur eine Schutzwirkung im Zusammenhang mit Krebs, sondern (auch hierzu gibt es überzeugende Studien) mit einer ganzen Reihe von weiteren Krankheitsgeschehen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Multiple Sklerose, Diabetes, Depressionen und vielen anderen.

 

Die Messung des Vitamin D-Status geschieht anhand einer Blutprobe (keine Kassenleistung; kostet etwa 30€). Das Labor bestimmt da

nn den 25-OH-Vitamin-D-Wert (noch nicht aktivierte Form des Vitamins im Blut) in den Maßeinheiten Nanogramm je Milliliter (ng/ml) oder Nanomol je Liter (nmol/l). Der Nanogramm-Wert lässt sich mit dem Faktor 2,5 auf den Nanomol-Wert umrechnen. 40 ng/ml entsprechen zum Beispiel 100 nmol/l.

Als erstrebenswert werden heute Werte von über 30 ng/ml, besser noch über 40 ng/ml erachtet. Werte unter 20 ng/ml gelten als unzureichend. Bei der oben genannten Brustkrebsstudie hatten die Frauen mit "ungenügendem" Vitamin D-Spiegel Werte von unter 20 ng/ml, die Frauen mit einem "ausreichenden" Spiegel von über 28,8 ng/ml. Noch höhere Werte scheinen jedoch einen noch besseren Schutz zu bieten.

 

Für einen Blutspiegel in Höhe von 40 ng/ml hält man die körp

ereigene Produktion (durch Sonneneinwirkung auf die Haut) oder die Aufnahme über die Nahrung von täglich etwa 4.000 Internationalen Einheiten (IE) für erforderlich. Dies entspricht 100 Mikrogramm.

 

Durch unsere Nahrung werden wir auch bei größten Bemühungen dauerhaft kaum mehr als nur einen kleinen Teil dieser Mengen zuführen können. Alles andere als Fisch ist hier kaum erwähnenswert, der Hering (als bedeutendste Quelle; 26 µg je 100 Gramm) könnte einen kleinen Beitrag leisten, jedoch wird deutlich, dass die Aufnahme von Sonnenlicht der entscheidende Faktor ist.

 

 

Ein weiterer interessanter Beitrag über Vitamin D:

 

 

Bitte bedenken Sie, dass der Mensch sich über Jahrmillionen praktisch den ganzen Tag über im Freien aufgehalten hat, und dass wir immer noch das genetische Programm eines Steinzeitmenschen in uns tragen. Heute sind wir die meiste Zeit des Jahres vom Sonnenlicht weitgehend abgeschirmt (UV-Licht wird übrigens von Glas absorbiert), so dass es nicht verwundert, wenn neuere Untersuchungen weitläufige Mangelzustände in der deutschen Bevölkerung belegen.

 

So zeigte eine 2008 im European Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Auswertung(7), dass im Durchschnitt 58% aller (in Deutschland lebenden erwachsenen) Frauen und 57% aller Männer einen Vitamin D-Status unterhalb von 20 ng/ml aufwiesen.

 

Bei den über 65-Jährigen waren es sogar 75%, selbst in den sonnigen Monaten. Mit zunehmendem Alter nimmt nämlich die Fähigkeit der Haut zur Eigenproduktion von Vitamin D durch die UVB-Bestrahlung ab.

 

Es wäre noch zu klären (anhand von sogenannten "Interventionsstudien"), inwiefern das Vitamin D nicht bloß ein Indikator für die in uns wirkende Heilkraft der Sonne ist, sondern selbst diese Heilkraft besitzt. Und ob somit die Gabe von Vitamin D-Präparaten ("Supplementierung") einen festgestellten Mangel und ein damit verbundenes erhöhtes Krankheits- und Sterberisiko tatsächlich ausgleichen kann. Die Vitamin D-Forschung ist da zur Zeit sehr aktiv (siehe z. B. die auf 5 Jahre angelegte "Vital"-Studie(8) der Harvard Universität in Boston, USA) und wird hierzu sicherlich bald aussagekräftige Daten liefern können.

 

 

 

Quellen:

 

(1) Goodwin et al., 2009, http://jco.ascopubs.org/content/27/23/3757.long

(2) "Krebszellen mögen keine Sonne", Jörg Spitz / William B. Grant

(3) "Der Nuklearmediziner", 2009; 32: 237-244

(4) Huanlong Qin et al., 2011, http://jco.ascopubs.org/content/29/28/3775.abstract

(5) www.krebsinformationsdienst.de/Aktuelles/2011/news12.php

(6) www.endokrinologie.net/presse_110208.php

(7) Hintzpeter et al., 2007, www.nature.com/ejcn/journal/v62/n9/abs/1602825a.html

(8) www.vitalstudy.org/index.html

 

 

Literatur:

 

- "Krebszellen mögen keine Sonne", Jörg Spitz / William B. Grant

- "Superhormon Vitamin D", Jörg Spitz

- "Gesund in 7 Tagen - Erfolge mit der Vitamin-D-Therapie", Raimund von Helden

- "Licht schenkt Leben", Elke Brandmayer / Bodo Köhler

- "Die heilende Kraft des Lichts", Jacob Liberman

- "Die 8 Anti-Krebs Regeln", Johannes F. Coy / Freerk T. Baumann u. a.

- "Heilkraft D", Nicolai Worm

- "The Vitamin D Solution", Michael F. Holick